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Yoga & Kama Sutra

Yoga kann als körperlich-geistige Disziplin definiert werden, mit deren Hilfe die innere Lebensenergie kontrolliert und optimal genutzt wird. Die frühesten Beispiele für Yoga-Übungen findet man auf 4000 Jahre alten Siegeln und auf phallisch geformten Ritualsteinen.
Die disziplinierte Ausführung der Positionen und die Tiefenatmung fördern die Konzentration der Lebensenergie und eine ausbalancierte Haltung und helfen dem Yogi damit, sich vor wechselnden Umwelteinflüssen zu schützen. Bestimmten Yogis soll es gelungen sein, den eigenen Stoffwechsel soweit zu verlangsamen, dass sie für längere Zeit in verschlossenen Kisten oder unterirdischen Kellern überleben konnten.
Nach der Yoga-Lehre ist es möglich, den Fluss des Atems durch alle Körperorgane zu verfolgen. Die Wirbelsäule wird als besonders wichtiges Organ gesehen, an der entlang sechs unsichtbare Energiezentren oder Chakren ("Räder") angeordnet sind. Wird durch yogische Konzentration das unterste dieser Chakren, die sogenannte "Schlange", angeregt, dann aktiviert sie wiederum andere Chakren. Der Praktizierende einen ekstatischen Zustand erreichen, bei dem - so die Vorstellung - im Gehirn ein samenähnlicher Nektar produziert wird. Im Yoga wird Sexualit als Akt der Verehrung genutzt: Dazu gehören bestimmte Techniken, um den Orgasmus zu verzögern und die Kraft des Phallus zu stärken.

Die schönsten Beispiele bildender Kunst in Indien haben zwei Hauptthemen: Jugend und religiös überhöhte Sexualität. Die Statuen in den Hindutempeln von Khajuraho zeigen realistische Darstellungen junger Menschen. Aus Didiganj stammen 2000 Jahre alte, in Stein gehauene Darstellungen der Muttergöttin: üppige weibliche Figuren mit melonengroßen Brüsten und ausladenden Hüften.
Auch das "Gita Govinda" (Sanskrit: "Das Lied vom Kuhhirten", ein spirituelles Gedicht aus dem 12.Jh.) feiert die Freuden der erotischen Liebe:

"Nach seiner Liebeskunst sehnt sich ein Mädchen dort am Flussufer des Jumna,
zieht mit der Hand an seinem seidenen Gewand ihn ins Reetdickicht,
Hari (Lord Krishna) hat hier seine Freude…"

Das "Kama Sutra" mit seinen Beschreibungen verschiedenster Positionen gilt als erstes Buch zum Thema Eros und errangte Weltruhm als anspruchvolle "Gebrauchsanleitung" zum Erreichen sexueller Befriedigung für Mann und Frau.

 
Khajuraho


Die majestätischen Schreine von Khajuraho gehören zu den schönsten Beispielen mittelalterlicher Hinu-Architektur. Als Urheber der zwischen 950 und 1050 n.Chr. erbauten Tempel gelten die Chandella-Könige von Bundelkhand.

Vermutlich entgingen die Tempel durch ihre verborgene Lage den Plünderungen der eindringenden muslimischen Armeen, gerieten in Vergessenheit und überdauerten die Jahrhunderte im Schutz des Waldes, bis sie 1819 von britischen Landvermessern wiederentdeckt wurden. Allerdings sind heute nor noch 22 der ehemals 85 Tempel erhalten.

Auffällig sind die architektonischen Unterschiede zu anderen indischen Tempeln: Einzelne, turmförmige Dächer bilden eine Pyramidenform, die am Gipfel nicht mit Skulpturen, sondern mit filigranen Steinschnitzereien verziert ist. Die Steinblöcke wurden ohne Zement verbaut: Einzig durch ihr Eigengewicht und die sorgfältige Positionierung wurde eine Konstruktion geschaffen, die schon ein Jahrtausend überdauert hat.

Die Tempel sind nach Himmelsrichtungen (West, Ost und Süd) in drei Gruppen unterteilt. Am spektakulärsten ist der 30 Meter hohe Kendariya Mahadeva. Das reich dekorierte Eingangsportal ist mit exquisiten Figurenfrisen geschmückt: Der Besucher sieht Götter und Göttinen, junge Mädchen und Verliebte. Am Chitragupta-Tempel sind Tanz- und Jagdszenen sowie königliche Prozessionen zu bewundern, während der Vishwanath-Tempel eine Flötenspielerin, eine Frau mit Kind sowie Mädchen zeigt, die sich im Spiegel betrachten.
Auf den Gesichtern der Skulpturen ist der Ausdruck menschlicher Gefühle nuanciert und mit großer künstlerischer Ausdruckskraft festgehalten: das schüchterne Lächeln eines Mädchens, das an den Geliebten schreibt, oder die glücklichen Gesichter eines Paares in der Umarmung.
Einige Skulpturen zeigen tantrische Rituale: Zentral ist hier die erotische Liebe zwischen dem Gott Shiva und der Göttin Parvati.

Doch Leidenschaft und Erotik ist nicht das einzige Thema der Skulpturen, die durch ihre sublime Schönheit beeindrucken. Alle Darstellungen, die insgesamt eine große Ruhe ausstrahlen, müssen im Gesamtkontext gesehen werden: Neben religiösen und erotischen Szenen zeigen die Reliefs auch militärische und alltägliche Themen. Sie reflektieren so den Lebensstil der damaligen Herrscher.

 


 

 
 

 

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