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Die majestätischen Schreine von Khajuraho gehören zu
den schönsten Beispielen mittelalterlicher Hinu-Architektur.
Als Urheber der zwischen 950 und 1050 n.Chr. erbauten Tempel gelten
die Chandella-Könige von Bundelkhand.
Vermutlich
entgingen die Tempel durch ihre verborgene Lage den Plünderungen
der eindringenden muslimischen Armeen, gerieten in Vergessenheit
und überdauerten die Jahrhunderte im Schutz des Waldes, bis
sie 1819 von britischen Landvermessern wiederentdeckt wurden.
Allerdings sind heute nor noch 22 der ehemals 85 Tempel erhalten.
Auffällig
sind die architektonischen Unterschiede zu anderen indischen Tempeln:
Einzelne, turmförmige Dächer bilden eine Pyramidenform,
die am Gipfel nicht mit Skulpturen, sondern mit filigranen Steinschnitzereien
verziert ist. Die Steinblöcke wurden ohne Zement verbaut:
Einzig durch ihr Eigengewicht und die sorgfältige Positionierung
wurde eine Konstruktion geschaffen, die schon ein Jahrtausend
überdauert hat.
Die Tempel
sind nach Himmelsrichtungen (West, Ost und Süd) in drei Gruppen
unterteilt. Am spektakulärsten ist der 30 Meter hohe Kendariya
Mahadeva. Das reich dekorierte Eingangsportal ist mit exquisiten
Figurenfrisen geschmückt: Der Besucher sieht Götter
und Göttinen, junge Mädchen und Verliebte. Am Chitragupta-Tempel
sind Tanz- und Jagdszenen sowie königliche Prozessionen zu
bewundern, während der Vishwanath-Tempel eine Flötenspielerin,
eine Frau mit Kind sowie Mädchen zeigt, die sich im Spiegel
betrachten.
Auf den Gesichtern der Skulpturen ist der Ausdruck menschlicher
Gefühle nuanciert und mit großer künstlerischer
Ausdruckskraft festgehalten: das schüchterne Lächeln
eines Mädchens, das an den Geliebten schreibt, oder die glücklichen
Gesichter eines Paares in der Umarmung.
Einige Skulpturen zeigen tantrische Rituale: Zentral ist hier
die erotische Liebe zwischen dem Gott Shiva und der Göttin
Parvati.
Doch Leidenschaft
und Erotik ist nicht das einzige Thema der Skulpturen, die durch
ihre sublime Schönheit beeindrucken. Alle Darstellungen,
die insgesamt eine große Ruhe ausstrahlen, müssen im
Gesamtkontext gesehen werden: Neben religiösen und erotischen
Szenen zeigen die Reliefs auch militärische und alltägliche
Themen. Sie reflektieren so den Lebensstil der damaligen Herrscher.
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