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Die Gründung der Stadt Amritsar geht auf das Jahr 1577 zurück,
als Guru Ramdass mit den Grabarbeiten zum heiligen Sarovar - "Nektarbecken"
begann. Das Sarovar-Becken wurde von Guru Arjan Dev fertiggestellt,
der auch den Harmandir sahib - Goldener Tempel - inmitten der
Wasserfläche bauen ließ. Das heilige Buch Guru Granth
Sahib fand hier im Jahre 1604 seine Heimstätte. Mit dem Akal
Takht ("der zeitlose Thron") wurde eine weltliche Autorität
etabliert, um dem Harmandir sahib zu dienen und ihn zu schützen.
Der Grundstein für die Anlage wurde am 28. Dezember 1588
von zwei heiligen Muslimen gelegt, den Mian Mir aus Lahore. Es
dauerte noch 10 weitere Jahre, bis die Bauarbeiten abgeschlossen
waren und der goldene Tempel täglich als religiöses
Zentrum genutzt wurde. Nach dem Einzug des heiligen Granth wurde
Baba Buddha zum ersten offiziellen Vorleser bestimmt. Die von
Guru Arjan Dev eingeführte Liturgie wird immer noch weitgehend
unverändert beibehalten. Kirtan, die Rezitation aus dem heiligen
Granth, beginnt um 2.00h oder 3.00h morgens und wird bis 22.00h
fortgeführt. Das heilige Buch wird dann in eine goldene Sänfte
gelegt, in einer Prozession in ein anderes Gebäude der Tempelanlage
getragen und über Nacht "zur Ruhe gelegt". Morgens
um 5.00h wird das Buch wieder an seinen Platz im Tempel gebracht.
Das Buch wird also wie eine heilige Person behandelt, denn gläubige
Sikhs betrachten den heiligen Granth als ihren Guru; so wurde
es vom 10. Guru Gobind Singh bestimmt: " Sab Sikhan ko hukam
hai, Guru manyo Granth".
Abgesehen von der religiösen Bedeutung stellt der goldene
Tempel schon wegen seiner besonderen Architektur und Schönheit
eine Attraktion für Besucher dar. Der Tempel steht auf einer
Plattform inmitten des rechteckigen Sarovar-Beckens und ist über
eine Brücke zu erreichen. Vier Türen, eine in jede Himmelsrichtung,
symbolisieren freien Zugang für jeden Besucher, unabhängig
von seiner Kaste oder Religion.
Das
Tempelinnere ist von atemberaubender Schönheit: Metallflächen
sind mit verschnörkelten floralen Prägemustern verziert,
Wände und Decke mit Filigranarbeiten geschmückt. Allerdings
entspricht dies nicht dem Originalzustand, sondern geht auf die
Regierungszeit von Maharaja Ranjit Singh zurück.
Über die Jahrhunderte sind die Sikhs und damit auch der goldene
Tempel immer wieder verfolgt worden. Im 17. Jh. entweihten Nadir
Shah & Ahmed Shah Abdali den Tempel durch Schießpulverexplosionen
und die Schlachtung von Kühen, deren Kadaver sie in den Sarovar
werfen ließen. 1776 wurde die Tempelanlage von Dal Khalsa
wieder aufgebaut, und erhielt (wie schon erwähnt) in der
Regierungszeit des Sikh-Herrschers Ranjeet Singh ihre vollendete
Gestaltung.
Als Gegengewicht
zur priesterlichen Bedeutung des of Harmandir sahib, verkörpert
Sri Akal Takht sahib die höchste weltliche Autorität
des Sikhismus. Guru Hargobind gründete Sri Akal Takht am
15. Juni 1606. Im Kampf gegen die Unterdrückung der muslimischen
Eiferer nahmen die Sikhs eine zunehmend aggressive Haltung ein,
und die Gurus erwarben allmählich den Status eines 'Sache
Padishah" ("wahrer souveräner Herrscher").
Akal Takht erhielt deshalb die symbolische Form eines "zeitlosen
Throns". Zu den Baisakhi- & Diwali-Festen wurden am Sri
akal Takht Versammlungen ("sarbat khalsa") abgehalten.
Hier wurden Beschlüsse diskutiert und verabschiedet, die
die Gemeinschaft der Sikhs betrafen. Auch heute noch ist die Bedeutung
des Akal Takht als bestimmende Instanz in religiösen und
moralischen Fragen anerkannt.
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